Stadtmusik Steckborn

Film: So zwei, wie wir zwei ( Siegwart / Pauletto)

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100 Jahre Stadtmusik Steckborn 1889 - 1989

Bericht recherchiert und zusammengestellt von Hans Seiler

Steckborn 1889. Ein gemütliches, ruhiges Städtchen am Untersee. Die Zeit scheint stillzustehen. Die Industrie, wie wir sie heute kennen, hat sich noch nicht etabliert, dafür herrscht gutes und solides Handwerk vor. Für das tägliche Brot wird hart gearbeitet, aber man ist zufrieden. Doch diese Ruhe ist nur scheinbar. Unter den Blasmusikfreunden wird immer wieder ausgiebig über die leidige Tatsache gesprochen. dass der im Jahre 1879 ins Leben gerufene Musikverein nach kurzer Dauer sang- und klanglos unterging. Dauernder Wechsel in der Führung und viele Streitigkeiten unter den Bläsern veranlassten die letzten fünf Aktivmitglieder, im Frühling 1886 in einer Sitzung im Weingarten, den Verein aufzulösen. Nach vielen Diskussionen sind sie sich einig, die Stadtmusik muss auf einem guten Fundament neu gegründet werden. Unterstützung und Ansporn erhielten sie auch von vielen Einwohnern des Städtchens. Es wurde allgemein bedauert, dass keine Blasmusik mehr bestand im Ort. denn nebst zwei tüchtigen Männerchören und einem Ci- therclub bestand weit und breit keine oder nur wenig Möglichkeit zur musischen Entfaltung. Die Tatsache, dass im Kanton schon mehrere Musikgesellschaften bestanden und auch gute Fortschritte machten und die Steckborner nicht hinten anstehen mochten, mögen ein übriges dazu getan haben, dass am 19. Oktober 1889 in der Brauerei Herzog die Gründungsversammlung der heutigen Stadtmusik stattfand, an der folgende sieben waschechten Steckborner teilnahmen: Heinrich Schiegg, Adolf Herzog. Albin Herzog. Ulrich Bosshart. Jakob Kutter, Josef Kutter und Hermann Guhl. Sie gelobten einander, treu zur Musik zu stehen, auch wenn schwere Stürme versuchen sollten, das vorläufig noch kleine Vereinsschiffchen aus der Bahn zu werfen. Zusammenhalten war das Wichtigste! Dass die Gründer spürten, worauf es ankam, kann man aus den Protokollen jener Zeit gut herauslesen. Schon am 8. November 1889 wurde die konstituierende Versammlung im «Rebstock» abgehalten. Zum ersten Präsident wurde Jakob Kutter gewählt, Adolf Herzog versprach, als Kassier bestens auf die Moneten aufzupassen und Heinrich Schiegg wurde zum ersten Dirigenten erkoren.

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So, wie es damals üblich war, übernahm in der Regel ein guter Bläser das Amt des Dirigenten. Ausgebildete Dirigenten konnten sie sich nicht leisten, sie waren auch sehr dünn gesät. Trompeter- Unteroffiziere von Militärspielen sprangen hier oftmals in die Lücke. In der Brauerei Herzog erhielt der neugeborene Verein noch am gleichen Abend bei «edlem Gerstensaft» die ihm gebührende Taufe unter dem Motto: «Möge die neugegründete Stadtmusik wachsen, blühen und gedeihen!» Doch wie sollte ein guter Start möglich sein ohne Geld. Ausser einigen alten Notenblättern und Instrumenten war nichts vorhanden als viel guter Wille und Mut und die unbändigende Lust. Musik zu machen. Gleich am Anfang betteln gehen wollte niemand, nachdem der Verein schon einmal zusammengebrochen war. Als Starthilfe musste jedes Aktivmitglied einen Franken in die Vereinskasse einlegen. Nur dem Dirigenten wurde der Franken erlassen, weil dieser sowieso schon viel Mühe hatte mit dem Dirigieren. Heinrich Schiegg probte nun fleissig mit seinen wackeren Bläsern. Das Herz mag den Musikanten im «Vivace-Takt» geschlagen haben vor Freude und Aufregung, als bereits am 31. Dezember des Gründungsjahres der erste öffentliche Auftritt stattfand anlässlich der Sylvesterfeier in der Kirche. Der Start der jungen Stadtmusik war gelungen. Es galt nun, das begonnene Werk weiter aufzubauen. Allein konnten es die Gründer jedoch nicht bewerkstelligen. Nebst der Werbung für aktives Mitmachen versuchten sie geschickt und mit Erfolg, Blasmusikfreunde im Städtchen als Passivmitglieder zu werben. Schon einen Monat nach der Gründung konnten acht Passivmitglieder in den Verein aufgenommen werden. Es mutet heute allerdings komisch an, dass über die Aufnahme oder Nichtaufnahme eines Passivmitgliedes einzeln abgestimmt wurde. Wer fortan in die Stadtmusik aufgenommen werden wollte, musste zwei Franken Eintrittsgeld entrichten. Mit diesen Massnahmen wollte der Verein erreichen, dass wirklich nur Musikinteressierte dem Corps angehörten. Wo immer es möglich war und es die finanziellen Mittel erlaubten, wurden neue Noten angeschafft. Für den Ankauf eines Walzers wurden einmal Fr. 2.62 ausgegeben und für ein Potpourri und ein Lied Fr. 5.20, was den Kassier prompt dazu veranlasste, den Verein zum Masshalten zu ermahnen. Bei der Auswahl von Musikstücken wurde immer viel Wert daraufgelegt, dass humoristische Musikstücke den Vorrang bekamen. Bald erkannte man aber auch, dass nur Proben und Üben allein nicht genügten. Die Geselligkeit durfte unter keinen Umständen vernachlässigt werden. Gemäss den Eintragungen im Protokollbuch wurde dieser Erkenntnis gründlich und teilweise ausgiebig Rechnung getragen. Unsere junge Stadtmusik benötigte dringend Instrumente, aber das liebe Geld reichte einfach nicht. Mit grösster Mühe konnte im März 1890 ein guterhaltenes B-Althorn für 18 Franken angeschafft werden. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch! Um erst einmal besser bekannt zu werden und um zu zeigen, dass man schon grosse Fortschritte gemacht hatte, wurden des öftern Konzerte in Restaurants gegeben, vor allem im Schwanengarten, im Sonnenhofgarten und in der Granate. Bald war es dann soweit, dass die hiesigen Vereine die Musikanten als Tanz- und Unterhaltungskapelle engagierten. In der Regel spielten 5 bis 6 Mann für eine Gage von 4 Franken pro Nacht und Mann. Vor allem der Turnverein, die Männerchöre und der Zitherclub machten oft davon Gebrauch. Dank dem guten Geist, der im Verein herrschte, legten alle ihre erspielten Gagen ohne weiteres in die Vereinskasse. Zum Dank gab es hin und wieder einen kleinen Ausflug (öfter ging es in den «Sternen» nach Berlingen). Dass manchmal ganz unkonventionell vorgegangen wurde, wenn es galt, die Musik ins rechte Licht zu rücken, mag folgende Episode vergegenwärtigen. Der Verein beschloss, einen Maibummel nach dem Haidenhaus zu unternehmen. Frühmorgens um halb sechs marschierte die muntere Schar los. Beim vorgesehenen Frühschoppenkonzert im Haidenhaus wollte man natürlich extra gut abschneiden. Damit das ganz sicher klappte, wurde kurzerhand morgens um 06.00 Uhr im Schorenwald eine extra Probe eingeschaltet, bevor es weiter ging. Später gesellte sich auch der Turnverein dazu. Kommentar im Protokoll: «So dauerte die ganze Sache bis in die späte Nacht». Trotz vielen gemütlichen Stunden, oder gerade deswegen, wurde ein straffer Probenbetrieb eingehalten, denn das nächste grosse Ziel, das erste Winterkonzert zum ersten Jahrestag des Bestehens, musste gründlich vorbereitet werden. Damit das Konzert durchgeführt werden konnte, benötigte die Stadtmusik zuvor unbedingt ein grösseres Bassinstrument (Helikon).

Da der Kassenbestand dies nicht erlaubte, gelangte die Stadtmusik mit einer Sammelaktion an die Öffentlichkeit. Das Total ergab den schönen Betrag von Fr. 129.25. Dazu wurden von den Aktivmitgliedern Fr. 40.- entlehnt. Als noch 10 Prozent Rabatt erwirkt wurden, konnte das Helikon gekauft werden. Für das erste Winterkonzert musste natürlich auch noch eine einheitliche Kopfbedeckung her. Bei Th. Zwiker in Konstanz wurden zehn Mützen zu DM 3.50 gekauft mit 10 Prozent Skonto. Wir sehen, unsere musikalischen Vorfahren waren auch gute Kaufleute. Die Vorbereitungen auf das erste Winterkonzert liefen inzwischen auf Hochtouren. Die Musikproben mussten verdreifacht werden und dauerten oft bis nach 23.00 Uhr. Alle Passivmitglieder sollten zwei Freiprogramme erhalten, für die übrigenKonzertbesucher wurde ein Eintritt von 70 Rappen festgesetzt. Leider konnte wegen Geldmangel kein Inserat aufgegeben werden. dafür warben die Musikanten mit persönlicher Propaganda für das Konzert. Am 13. Dezember 1890 bestritten die Bläser das erste Winterkonzert der Stadtmusik und setzten damit einen Markstein in der hundertjährigen Vereinsgeschichte. Die Kritik über das Konzert war allgemein gut. Der Eintrag im Protokoll lautet kurz und bündig: «Konzert gelungen, aber der Ofen war überheizt, die Bläser konnten kaum spielen, doch die Leute waren zufrieden. Möge dies den Musikanten neuen Eifer und frische Lust für die edle Kunst der Musik beigebracht haben, zum Nutz und Frommen des Vereins». - Aber wie es im Leben geht kann es auch einem Verein ergehen, eine kalte Dusche liess nicht lange auf sich warten. Einen Monat später wurde an den beiden Konkordia-Abenden Unterhaltungsmusik gespielt Nach der ersten Aufführung mussten die braven Musikanten eine bitterböse Kritik hinnehmen: die Turner. Sänger und Zitherspieler hätten unübertreffliche Leistungen vollbracht die Musikanten dagegen ihre Instrumente mit solcher Hünenkraft bearbeitet, dass die Trommelfelle der Zuhörer stark gefährdet waren. Dass man so etwas nicht auf sich sitzen lassen durfte war für die «Seebuben» klar. Was genau geschah, ist nicht aktenkundig. Es heisst einfach: «Denen haben wir die passende Antwort gegeben!» - Zur ersten Generalversammlung konnte der Präsident Jakob Kutter, nebst den Gründungsmitgliedern weitere 4 Bläser begrüssen. Der Verein zählte jetzt 11 Aktiv- und 20 Passivmitglieder. Finanziell hatte sich die Kasse soweit erholt, dass dem Dirigenten ein Jahreslohn von 40 Franken versprochen werden konnte - Dafür war er wie alle anderen beitragspflichtig ! Ja sie lesen richtig ! Jedes Aktivmitglied musste seinen Monatsbeitrag entrichten. Der Kassier achtete peinlich genau darauf, dass die festgesetzten Monatsbeiträge laufend kassiert wurden. Wie hoch dieser beitrag war, darüber schweigt das Protokoll. Blättern wir weiter, was es interessantes zu erfahren gibt über unser Geburtstagskind. Wie ist es dem jungen Verein weiter ergangen? Also, da hatten doch einige Bläser die Meinung, während der Musikprobe müsse geraucht werden. Das kommt natürlich nicht in Frage und wird, sollte es nochmals vorkommen, sofort mit einer Ordnungsbusse bestraft. Das Jahr 1891 war geprägt von vielen Auftritten. Nebst vielen Platzkonzerten wurden die Musikanten wieder oft engagiert als Tanz- und Unterhaltungskapelle. Die grosse Nachfrage bestimmte natürlich den Preis. Waren es vorher vier Franken pro Nacht, mussten jetzt fünf Franken auf den Tisch geblättert werden, für einen ganzen Tag bis sieben Franken. Mit dem eingespielten Geld wollte die Musikkommission für das nächste Winterkonzert alles neue Musikstücke kaufen, Bedingung war wie im Vorjahr, dass mindestens zwei humoristische Musikstücke dabei sein mussten. Aber auch die eigenen musikalischen Ansprüche wurden höher gestellt. Aus Stein am Rhein holte die Stadtmusik den Dirigenten Hr. Michler, dieser sollte einmal pro Monat die Proben leiten und den Verein musikalisch auf eine höhere Stufe führen. Der Kassier glaubte, diese zusätzlichen Ausgaben verkraften zu können. Doch in der Vereinskasse war bald wieder Ebbe. Kameradschaftlich erklärte Heinrich Schiegg. er könne auch mit weniger auskommen, der Präsident und der Kassier hätten ja auch nichts für ihre grosse Arbeit. Dieses Angebot wurde dankend angenommen, dafür erhielt er für Stimmen schreiben 10 Rp. pro Stimme. Neu ins Programm aufgenommen wurde das Spielen am Ostermorgen auf dem Kirchturm; dieser schöne Brauch hat sich bis heute erhalten. Noch immer freuen sich die Steckborner, wenn sie am Ostermorgen mit festlicher Turmmusik aus dem Schlaf geholt werden. - Im August 1892 wurde der erste grössere Ausflug nach dem Hohentwil bei Singen Wirklichkeit. Ab Gaienhofen spazierte die muntere Schar gemütlich nach Singen, wo sich die Musikanten ausgiebig stärkten bei Speis und Trank. Auf dem Heimweg wurde ab Singen bis Stein am Rhein die Bahn benutzt. Dort wurde im «Bahnhof» munter und ausgiebig musiziert, bis der letzte Zug die müden Männer nach Steckborn brachte. - Leider reichte Mitte August 1892 Heinrich Schiegg den Rücktritt als Dirigent ein. Unter der neuen Leitung von Musikinstruktor S. Meier, aus Ermatingen konnte das Winterkonzert Anfang 1883 trotzdem erfolgreich durchgeführt werden mit der Konkordia. Der Publikumserfolg war allerdings nur mässig, wahrscheinlich, weil der Eintrittspreis von 70 Rp. auf einen Franken erhöht worden war. Überhaupt verbanden den Männerchor Konkordia und die Stadtmusik sehr enge, freundschaftliche Bande. Im Januar 1893, als die Konkordia ihren Unterhaltungsabend dreimal aufführte, wurde fast gratis zum Tanz aufgespielt, weil der Chor teure Kulissen anschaffen musste. Ohne dass es ausgesprochen wurde, wussten alle, dass sie aufeinander angewiesen waren. Wollte die Stadtmusik weiterkommen und viele Blasmusikfreunde gewinnen, musste sie sich voll zum kameradschaftlichen Zusammenhalten bekennen. Finanziell durfte das Jahr 1892 als erfolgreich eingestuft werden, an der GV konnte der Kassier stolz verkünden, dass der Vorschlag Fr. 16.60 betrage und in der Kasse der respektable Betrag von Fr. 98.68 ausgewiesen sei. Da Musikinstruktor S. Meier viel Zeit im Militärdienst verbrachte, übernahm Josef Kutter provisorisch das Amt des Dirigenten. Wegen seiner vielen grossen Verdienste erkor die Stadtmusik S. Meier zu ihrem ersten Ehrenmitglied. Allmählich hatten sich die Steckborner Musikanten auch über Steckborn hinaus einen guten Namen geschaffen, denn es kamen bereits Anfragen von auswärts. Nachdem am Fasnachtssonntag 1893 in Eschenz gespielt worden war, verpflichteten sich die Musiker auch nach Mammern. wo im Hecht ein Frühlingskonzert gegeben werden sollte. Als um die Mittagszeit aber das Wetter nicht sehr gut aussah telegraphierte der Wirt eilends nach Steckborn und bat die Stadtmusik, ja nicht zu Hause zu bleiben und sofort nach Mammern zu kommen, da bereits die ersten Gäste eingetroffen waren. Eine Woche später ging's mit dem Dampfross nach Berlingen. «um auch dort die Kunst der Musik ertönen zu lassen» Ob das gelungen war musste angesichts der kritischen Mienen der Berlinger bezweifelt werden. Man war aber ehrlich genug die Schuld bei sich selbst zu suchen. Die Ursache war ein 30-Literfass Bier, das in schneidiger Manier in der Sommerhitze vorgängig gemeistert worden war. - Ein auf Ende Juli geplanter Ausflug aufs Hörnli mit dem Grütligesangsverein fiel buchstäblich ins Wasser. Dafür unternahmen die beiden Vereine eine gemeinsame Schifffahrt auf dem Bodensee. Natürlich konnten es einige «böse Buben - während dem Warten auf das Schiff nicht lassen, die Fischer am See zu plagen, indem sie dauernd Steine ins Wasser warfen und damit die Fische verscheuchten. Weil das Jahr hindurch tüchtig gespart worden war. konnte der Kassier von den Kosten der Schiffsreise (Steckborn-Konstanz-Meersburg und zurück = Fr. 2.60) einen Teil übernehmen. Unsere junge Stadtmusik hat sich, wie wir uns heute ausdrücken, etabliert. Die Anfangsschwierigkeiten sind überwunden. Auch verschiedene Erfahrungen, gute und andere, wurden in dieser Zeit gesammelt. Dank dem umsichtigen Kassier leidet die Kasse nicht mehr dauernd an «Mangel an Geldüberfluss». An der Generalversammlung vom 14. 4. 1894 kann der Kassier immerhin bekanntgeben, dass die Kasse im vergangenen Jahr mit einem Vorschlag von Fr. 8.32 abgeschlossen hatte. Ein schlauer Revisor hatte aber doch noch ein «Haar in der Suppe» gefunden. Er bemängelte in seinem Revisorenbericht, dass in der Jahresrechnung Fr. 3. - für «Mühsale des Kassiers» figurierten, welche nicht ausführlich erläutert waren in der Jahresrechnung. Diese Generalversammlung gab überhaupt viel zu reden, so dass der Präsident zu später Stunde unterbrach und die Fortsetzung derselben auf die nächste Musikprobe vertagte. Innerhalb des Vorstandes wurden die Chargen neu aufgeteilt. Adolf Herzog war jetzt Präsident, Jakob Kutter. Dirigent und Hermann Guhl, Kassier. Eine weitere wichtige Sitzung fand am 29. Mai 1894 im «Rebstock» statt. Diesmal ging es um den Probenbetrieb. Die Disziplin hatte merklich nachgelassen. Wohlwissend, dass nur eine straffe Ordnung den Verein musikalisch auf der Höhe halten konnte, wurde beschlossen, genau Buch zu führen, wie lange jede Probe dauert und wer zu spät kommt. Der Buchführer hatte das Buch jeden Monat dem Kassier zum Einzug der Bussen vorzulegen. Wie hoch die Busse war. Ist nicht bekannt, aber es soll gewirkt haben. Die fünf Jahre zuvor gekauften Mützen waren auch nicht mehr die schönsten, also mussten neue her. Diesmal sollten es keine Mützen, sondern schöne Kappen sein: für die Musikanten gab's einen Galon, für den Dirigenten deren zwei. Kostenpunkt der Kappen: Fr. 5.-. Die Hälfte zahlte der Verein, die andere Hälfte musste von jedem Musikanten selbst berappt werden, denn es warteten noch andere Wünsche, die erfüllt werden wollten. Von der Instrumentenfirma Wolf in Frauenfeld wurde ein H-Bass gekauft. Auf dem Bahnhof in Steckborn wurde die Ankunft des neuen Basses sehnlichst erwartet. Als es soweit war. schmiss der Kondukteur die Kiste mit solcher Wucht aus dem Bahnwagen, dass der Becher des Basses gestaucht wurde. Da die Versicherung nun bezahlte. kostete der Bass schliesslich nur noch 40 Franken. Am 26. Juli fand in Steckborn ein grosses Jugendfest statt. Um elf Uhr sollte mit Musikklängen und Glockengeläute vom Schulhaus zur Kirche marschiert werden, aber die Trompeter absolvierten diesen Marsch, weil das Wetter unsicher war. im «Oberhof» beim Wein, gemäss Auskunft unseres guten Konrad vom Schlössli. Als es am Nachmittag, um ein Uhr zu regnen begann, wurde das Fest abgebrochen und auf den folgenden Tag verschoben. Dafür wurde kurzerhand eine Spritzenprobe angesagt. Die Musikanten wurden davon dispensiert, dafür wurde ihnen aufgetragen, nachmittags um 16 Uhr im Schwanengarten ein kleines Konzert zu geben. Doch auch daraus wurde nichts, denn bald holte der Sonnenhofwirt einige Bläser, damit dort zum Tanz aufgespielt werden konnte. Es ist auffallend, wie im Sommer anstelle der Musikproben oft Gartenkonzerte aufgeführt wurden: meistens zusammen mit den hiesigen Männerchören oder dem gemischten Chor. Wie heute noch, war es schon vor bald 100 Jahren Brauch, Vereine, welche von einem Kantonalen- oder Eidgenössischen Fest heimkehrten, am Bahnhof abzuholen. Normalerweise klappt es mit der Marschmusik schon recht gut. am 29. Juli 1895 war es besonders streng, denn nur mit sechs Mann musste ausgiebig Marschmusik geblasen werden, beim Abholen der Schützen. Der Chronist verschweigt nicht, dass es dafür nachher um so lustiger im «Weingarten» zuging. Als es nach dem anstrengenden Sommer 1894 darum ging, das Winterkonzert vorzubereiten, entschloss sich der Verein kurzfristig, davon abzusehen, insbesondere, weil das letztjährige Konzert mit einem Defizit von Fr. 7.25 abgeschlossen hatte. Für den bevorstehenden Winter waren sowieso schon sehr viele Zusagen gemacht worden, an den Unterhaltungsabenden der verschiedenen Ortsvereine mitzuwirken. Da der Kassenbestand momentan erfreulich war, wurden alle erspielten Gagen in die neu gegründete Reisekasse gelegt, denn das nächste grosse Ziel war ein zwei- bis dreitägiger Ausflug, um einmal so richtig dem Alltagseinerlei entfliehen zu können. Ärger brachte unseren Musikanten immer wieder das Problem mit den Petroleumlampen. Meistens mussten Sie vor der Musikprobe im ganzen Schulhaus zusammengesucht werden, oder sie waren schlecht gefüllt, was den Probenbetrieb unnötig verzögerte. Nach reiflicher Überlegung wurden für Fr. 33.95 bei Jegglin in Konstanz zwei eigene, schöne Lampen mit sechs Gläsern und zwei Dochten gekauft. Das Jahr 1895 verlief ruhig. Die Probenarbeit rückte wieder einmal in den Mittelpunkt des Interesses. Nicht einmal wegen dem Klosterbrande wurden die Proben abgesagt. Zur Belohnung gab's am Sonntagnachmittag oft kleine Ausflüge

nach Mammern, Schweizerland, Berlingen oder Salenstein. Dass die Steckhorner schon früher harte Köpfe hatten, mag der Umstand beweisen, dass es der Verein 1895 ablehnte, dem Kantonalmusikverband beizutreten. Es werden zwar keine Gründe angegeben, finanzielle Aspekte mögen sicher mitgespielt haben. Das Winterkonzert im Januar 1896 war wieder ein voller Erfolg. Dank dem tieferen Eintrittspreis (er wurde von Fr. 1.- auf 50 Rappen reduziert) kamen wieder viel mehr Leute. An Tanzgeld wurden 18 Franken eingenommen und ebenfalls in die Reisekasse gelegt. Ebenfalls im Januar 1896 nahm die Sladtmusik auf Einladung der Schulgemeinde an einer grossen Pestalozzifeier teil. Dazu der Chronist: «Nachträglich erhielten wir ein grosses Dankeschreiben: ein Mitglied meinte, sie hätten gescheiter ein Fass Bier gespendet.» 1914: 25 Jahre alt ist sie nun geworden, unsere junge Stadtmusik. Sie ist aus dem Städtchen nicht mehr wegzudenken. Was wären all die vielen Feste und Anlässe ohne die Blasmusik. Wo immer Musikanten auftreten, ist sicher etwas los, ist es gemütlich und sind fröhliche Menschen beisammen. Die Stadtmusik durfte sich rühmen, in den vergangenen 25 Jahren viel zum kulturellen Leben in Steckborn beigetragen zu haben. Jakob Kutter war bis 1899 ein geschickter und erfolgreicher Dirigent. Dann übernahm der junge Lehrer, August Oswald, die musikalische Leitung. Er war stets streng und sehr ehrgeizig, aber ebenso ein guter und zuverlässiger Musikkamerad. Im Sommer 1901 führte er seine Bläser an das Kantonale Musikfest in Amriswil: für ihre gute Leistung wurde die Stadtmusik in der Kategorie «Gastvereine» mit dem zweiten Rang belohnt. Die Musikanten waren stolz auf ihren Erfolg, mit ihnen freute sich auch die ganze Bevölkerung von Steckborn. Noch im gleichen Jahr konnten 15 neue Uniformen angeschafft werden, eine im Ort durchgeführte Sammlung ergab innert kürzester Zeit den hohen Betrag von Fr. 1200. Was so eine neue Uniform alles ausmachen kann. Der Eifer für den Besuch der Musikproben verdoppelte sich und die öffentlichen Auftritte in der schmucken Uniform wurden zum Erlebnis. Das Umfeld um die Stadtmusik stimmte haargenau und bewog junge Leute, dem Verein ebenfalls beizutreten. Ganz gut vorbereitet, wagte es August Oswald 1904 am Kantonalmusikfest in Romanshorn teilzunehmen. Der Jubel war grenzenlos, als bei der Rangverkündigung die Stadtmusik für die beste musikalische Leistung mit dem ersten Lorbeer ausgezeichnet wurde. Mancher andere Verein hätte den Ehrenpreis, ein herrliches Piston, ebenfalls gerne nach Hause mitgenommen, noch heute ziert dieses Schmuckstück den Fahnenkasten der Stadtmusik. Nur zweimal, jeweils in einer «Stegreifnacht» ist dieses Piston aus dem Fahnenkasten geholt und tüchtig durchgeblasen worden. - Dank der grossen Popularität kamen nun von allen Seiten gute Angebote für Engagements. Auffallend zahlreich waren die «Gastrollen» in der «Höri», ebenso in Singen und in Radolfzell. Ob's nur die Liebe zur Musik war, die so viele Auslandreisen zeitigte, oder ob vielmehr andere Lockungen die Ursache bildeten, lässt der Protokollführer offen, aber wir glauben ihm ohne weiteres, dass hei diesen Ausflügen die Bierfässchen alle nach Musikantenart «erledigt » wurden. - Im gleichen Jahr war ein grosses Konzert angesagt, im «Schöntal» Ermatingen. mit der Stadtmusik Steckborn. Obwohl der Konzertbeginn schon über eine halbe Stunde hinausgeschoben worden war. hatten sich auffallend wenig Gäste eingefunden: als diese wenigen auch nach mehreren Eröffnungsmärschen das kleine Eintrittsgeld nur widerwillig bezahlten und sich keine weiteren Zuhörer eingefunden hatten, wurde kurzerhand zusammengepackt, das Eintrittsgeld zurückvergütet und das nächste Schiff nach Berlingen bestiegen, wo dann zum Trotz ausgiebig weiter musiziert wurde. Im Jahre 1905 übernahm die Stadtmusik Steckborn den Kantonalen Musiktag 13 Musikvereine mit 321 Musikern nahmen daran teil. Auffallend gross war die Zahl der verkauften Billette, total besuchten 1221 Personen die verschiedenen musikalischen Aufführungen. Den gesamten Einnahmen von Fr. 3571.70 standen Fr. 3211.90 Ausgaben gegenüber. Mit dem Vorschlag von Fr. 359.80 waren die Organisatoren sehr zufrieden. - Der tüchtige Dirigent. Herr Oswald, wurde 1906 als Mitglied der Kantonalen Musikkommission gewählt. Erfolg beschieden war auch dem Ausflug per Schiff nach Lindau/Bregenz. 211 Teilnehmer verbrachten zusammen einen herrlichen Reisetag. - 1907 wird wieder als ein Jahr emsiger Probenarbeit eingestuft, galt es doch, am nächsten Kantonalen Musikfest in Arbon wieder würdig zu bestehen Die Konkurrenz war grösser geworden, aber mit nur einem halbenPunkt Differenz auf die beiden Musikgesellschaften Weinfelden und Frauenfeld sicherten sich die wackeren Steckborner den zweiten Lorbeerkranz, dazu als Ehrenpreis einen schönen Silberbecher. - Während vielen Jahren präsidierte Herr Pischl- Hartmann die Stadtmusik, er war ihr ein grosser Förderer und hatte gar manchmal durch persönliche Zuwendungen den zeitweisen mageren Vereinsfinanzen auf die Beine geholfen. Auch der Stickfabrikant, Jakob Füllemann, der 1914 das Szepter der Stadtmusik übernahm, steuerte gar manches Nötlein bei, wenn der Kassier trotz Umsicht und Sparwille mit dem mageren Vereinshaushalt nicht auskommen konnte. Die erfolgreiche Tätigkeit der Stadtmusik brach im August 1914 bei Kriegsausbruch jäh zusammen. Neun Monate ruhte der Probenbetrieb gänzlich, weil zu viele Musikanten mobilisiert waren, um unsere Grenzen zu beschützen. Auch später, bis zum Ende des gewaltigen Völkerringens Ende 1918. waren öfters, zum Teil langanhaltende Pausen im Probenbetrieb unvermeidlich. 1919 konnten immerhin wieder fünf öffentliche Auftritte durchgeführt werden, aber noch im gleichen Herbst mussten die Musikproben erneut für vier Monate abgesagt werden, wegen der bösen Grippewelle, die unsere Gegend heimsuchte. Langsam und mühevoll, wie der europäische Friede, brach sich der Verein danach wieder neue Bahn und innert Jahresfrist erstarkte er neu auf 18 Aktivmitglieder. Ende Januar 1921, nach vielen Jahren Unterbruch, gelang es endlich wiedereinmal, speziell für die Passivmitglieder eine Abendunterhaltung durchzuführen. Mit einem guten Konzert und zwei Theaterstücken. «De lätz Trompeter» und «De Vetter us Batavia», welche mit nicht endenwollendem Beifall belohnt wurden, gelang den Musikanten endlich wieder ein Grosserfolg, der die Moral wieder um zwei bis drei Oktaven hob. - Im gleichen Jahr wählte die Stadtmusik, die «Krone» zum Vereinslokal. Hier, am Stammtisch trafen sich die Musikanten und ihre Freunde. Jeder brachte Gesprächsstoff mit oder konnte hier das Neueste in Erfahrung bringen. - Die Jahre 1921/22 brachten der Stadtmusik viele, vielleicht allzuviele Auftritte und Probenbesuche. Plötzlich kriselte es ganz gewaltig im Verein. Dirigent. Vorstand und Bläser waren zerstritten. 1923 war nach den Worten des damaligen Protokollführers ein Schulbeispiel, wie ein Verein musikalisch sehr rasch sinkt, wenn es im Vorstand und in der musikalischen Leitung hapert, wenn anstelle von Zusammengehörigkeitsgefühl und Disziplin. Gleichgültigkeit vorherrscht und auch die Kameradschaft darunter leidet. Nach langen Kämpfen und viel Streitigkeiten übernahm 1923 Herr Schnell die musikalische Leitung. Er war ein freundlicher und jovialer Herr, hatte aber nicht das Zeug, Remedur zu schaffen und die Stadtmusik musikalisch in die Höhe zu führen. Ein Eichenkranz am Kantonalmusikfest in Frauenfeld, kurz darauf zusätzlich ein ausgesprochener

Misserfolg am Schaffhauser Kantonalfest in Stein am Rhein brachte der Stadtmusik schwere Zeiten. Unter dem Druck dieser misslichen Verhältnisse trat auch Herr Schnell von seinem Posten wieder zurück. An seiner Stelle konnte Emil Fischer im Dorf, ein eifriger und seriöser Militärbläser als neuer Dirigent verpflichtet werden. - Ein schwerer Verlust traf dieStadtmusik 1924: mit dem Tod von Jakob Füllemann verlor der Verein seinen langjährigen Präsidenten und Förderer. Als Nachfolger wurde der Baumeister. Josef Hartmann erkoren. Die Aufbauarbeit wurde nun wieder zielstrebig vorangetrieben. Nebst den öffentlichen Auftritten wurde jede Woche zweimal tüchtig und ausgiebig geprobt. Ein weiterer Hoffnungsschimmer zeigte sich 1925. Im altehrwürdigen Klosterareal Feldbach sollten sich demnächst die Tore der neuen Kunstseidefabrik öffnen und für viele hundert fleissige Hände Arbeit und Verdienst bringen. Gestützt auf diese Ankündigung hoffte natürlich die Stadtmusik, dass auch Musikanten einen Arbeitsplatz finden werden, und so die Anzahl der Aktivmitglieder vermehrt werden könne. Zudem erwartete der Vorstand, dass damit die

Leistungsfähigkeit des Vereins günstig beeinflusst werde. Doch es sollte anders kommen. Wegen dem durchgehenden Schichtbetrieb mussten sehr viele Absenzen in Kauf genommen werden. Der Probenbetrieb litt enorm darunter, vor allem das Zusammenspiel aller Stimmen klappte selten und hemmte das erfolgreiche Vorwärtskommen. Es konnten nur wenig neue Stücke einstudiert werden, andererseits verleidete es den Bläsern, immer die gleichen Stücke zu repetieren. Trotzdem, aufgeben war nicht drin! Die Zeiten waren schwer, die Musikanten gelobten sich, trotz vielen Widerwärtigkeiten zusammen zu halten. Mit der Umstellung von reiner Blechmusik auf Harmoniemusik erhoffen sich die Steckborner einen weiteren musikalischen Aufschwung. Das Unternehmen gelang prima, im Jahre 1928 konkurrierte die Stadtmusik am Kantonalmusikfest in Amriswil erstmals als Harmoniemusik und eroberte einen Lorbeerkranz im zweiten Rang. Damit hatte sie gezeigt, dass sie wieder auf der Höhe war,. gleichzeitig aber auch, dass Emil Fischer es verstanden hatte, den Verein musikalisch bestens zu führen. Die Behörde und die ganze Öffentlichkeit nahm am Geschehen der erstarkten Stadtmusik lebhaften Anteil. Der Wunsch, neue Uniformen und neue Instrumente zu kaufen, blieb nicht ungehört. Noch im gleichen Jahr konnten mit der finanziellen Unterstützung der Öffentlichkeit neue, schmucke, braune Uniformen und mehrere Instrumente gekauft werden. Das grosse Tief war überwunden: freudig und ernsthaft wurde wieder gearbeitet und die Geselligkeit gepflegt im Verein. Es ist interessant, wie oft die Protokollführer immer wieder darauf aufmerksam machen, dass die Pflege der Kameradschaft und des Humors für ein erfolgreiches Bestehen und Vorwärtskommen enorm wichtig sind. Zu einer ganz grossen und bleibenden Erinnerung wurde 1930 die dreitägige Vereinsreise ins Berner Oberland. – 1932 begann es dann um die Stadtmusik leider wieder still und stiller zu werden. Bei manchem, bisher fleissigen Mitglied musste ein merkliches Abflauen der Begeisterung für die Stadtmusik beobachtet werden. Steigende Arbeitslosigkeit, der neue Schichtplan in der Kunstseidefabrik und viele Wegzüge trugen die Hauptschuld, dass es langsam wieder bergab ging. Mit viel Glück reichte es 1934 in Bischofszell in der Kategorie Harmoniemusik 2. Klasse zu einem Lorbeerkranz im 4. Rang. Eine allgemeine Unruhe ergriff auch den Vorstand der Stadtmusik, mancher legte sein Amt nieder, von vielen und aufreibenden Kämpfen müde geworden. Trotz harten Schicksalsschlägen galt es jetzt, nicht aufzugeben und möglichst rasch das Vereinsschiff wieder auf guten Kurs zu bringen. 1937 übernahm Jakob Züllig-Fauser. eine unverbrauchte Kraft, das Präsidium der Stadtmusik. Mit grossem Elan überwand er alle Hemmungen, die sich ihm da und dort noch in den Weg stellten. Er hielt straffe Disziplin im Musikcorps und mit Herrn Kobelt aus Frauenfeld konnte er eine erstklassige Kraft für die musikalische Leitung verpflichten.

Abendunterhaltung 1948

Wieder ging's nach einer langen Talfahrt aufwärts und bereits zwei Jahre später zählte die Stadtmusik wieder über 40 Aktivmitglieder. Das Hobby «Blasmusik» bereitete wieder Vergnügen. 1939. Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Die musikalische Tätigkeit wird über längere Zeiträume wieder auf Sparflamme gesetzt: auch viele Musikanten stehen mit ihren Mitleidensgenossen wehrbereit an der Grenze.

- Die Jahre nach dem Krieg bringen keine grossen Ereignisse. Dank grossem wirtschaftlichem Aufschwung kann sich die Stadtmusik gut entwickeln, denn es ist schon viel gewonnen, wenn keine grossen finanziellen Sorgen zu bewältigen sind. Immer wieder darf die Stadtmusik grosse Unterstützung durch die Behörden, die Bevölkerung und die Industrie erfahren. 1954 lobte der damalige Gemeindeammann. A. Nyffenegger. die Stadtmusik anlässlich der Generalversammlung in der Krone, für die ausgezeichnete musikalische Tätigkeit in den vergangenen Jahren, ein besonderes Lob erntet Hr. Hermann Haag für seine Tätigkeit als Dirigent. – Viel Leben ins Städtchen und strenge Zeit für viele Bläser brachten die Sommernachtfestspiele.

musik

Eine rund fünfzehnköpfige Blasmusikformation wurde jeweils für die vielen Vorstellungen engagiert. Lustig war dies alleweil und Gemütlichkeit wurde gutgeschrieben: von diesen Zeiten wird heute noch geschwärmt. Im gleichen Jahr startet die Stadtmusik eine grosse Passivmitglieder-Werbung. Der Erfolg ist gewaltig. 93 neue Passivmitglieder verpflichten sich freiwillig, mit ihrem jährlichen Obolus den Verein finanziell zu unterstützen. - Frau V. Deucher. Vom «Seegarten», ist die erste Steckbornerin. welche für ihre 50jährige treue Passivmitgliedschaft geehrt wird. Zur Ehrenurkunde gehörte natürlich ein flottes Ständchen. - 1955 übernahm Bruno Vaninetti das Zepter der Stadtmusik. Er war nicht nur ein guter Piccolo-Bläser. sondern auch ein guter und äusserst umsichtiger Leiter und setzte alles daran, einen möglichst vollzähligen Probenbesuch zu erreichen. Noch im gleichen Jahr beschloss der Verein, am Kantonalmusikfest in Schaffhausen als Gastsektion teilzunehmen und belegte dabei den ersten Rang mit dem Prädikat «Vorzüglich». - 1956 galt es Abschied zu nehmen von der guten, alten «Krone». Jahrzehntelang war sie das Stammlokal der Musikanten gewesen, der Abschied fiel vielen schwer und dauerte etwas länger als eine ganze Nacht.

Stöffeli und Co.

- Bruno Vaninetti war es auch, der den Antrag stellte, die Stadtmusik solle der Steckborner Fasnacht wieder auf die Beine helfen. Am schmutzigen Donnerstag wurde im «Sonnenhof» ein Kappenfest veranstaltet. Der finanzielle Erfolg mit 20 Franken Netto-Erlös war kläglich. Wieder einmal galt die Devise: «Nicht locker lassen!» Und siehe da, schon im nächsten Jahr trat der erhoffte Erfolg ein. -Am 1.Juli 1956 nahm die Stadtmusik erfolgreich am internationalen Musikfest in Kreuzlingen teil. Hier zeigte sich ein Vergleich jedoch deutlich, dass unsere Instrumente veraltet und in einem schlechten Zustand waren. Dem konnte und musste abgeholfen werden: an der Halbjahresversammlung beschloss der Verein, 1957 ein grosses Musiktreffen durchzuführen. Der Reinerlös sollte vollumfänglich für den Ankauf neuer Instrumente verwendet werden. Für die musikalische Unterhaltung wurde die Bauernkapelle von Radio Vorarlberg verpflichtet. In der Turnhalle lud ein grosser Bazar zum Kauf ein und für die Kinder galt es. beim grossen Ballon-Wettbewerb einen schönen Preis zu gewinnen. An das Musikfest steuerte die Ortsgemeinde 2500 Franken und die Bernina 2000 Franken bei. Weitere 4500 Franken schenkte die Bevölkerung in bar oder in Naturalgaben für den Bazar. Das Fest vom 20. August 1957 war erfolgreich. Neun neue Instrumente konnten vom Netto-Erlös gekauft werden. Mit einem grossen Konzert bedankte sich die Stadtmusik für alle grossen und kleinen Gaben und für die vielen unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden. - Im gleichen Herbst besuchte uns die Musikkapelle Neresheim (Baden-Württemberg). Im «Schweizerland» feierten wir dieses schöne Fest, bis der helle Tag zum Fenster hereinschaute. Mindestens so lange dauerte das Fest ein Jahr später, als die Steckborner Musikanten als Gäste in Neresheim weilten und dabei fürstlich bewirtet wurden. - Unserem Kamerad Hermann Kuhn hatte es irgendwo eine Lyra (Glockenspiel) angetan: in einer privaten Aktion sammelte er bei Freunden und Kollegen Geld und überraschte die Stadtmusik eines Tages mit diesem schönen Instrument, welches heute noch eine Zierde darstellt auf der Marschmusik. - Für ihre grosse geleistete Arbeit anlässlich des Musikfestes im vergangenen Jahr wurden an der Generalversammlung 1958 die Herren Willi Labhart. Gemeindeammann. Jakob Züllig und Hr. Meierhans, Notar, zu Ehrenmitgliedern der Stadtmusik ernannt. - Musik macht bekanntlich vor keiner Grenze halt, so ist es nicht verwunderlich, dass unsere Musikanten immer wieder ennet dem See zu Gast sind. Seit Jahrzehnten ist es beste Tradition, unsere Nachbarn in Hemmenhofen zu besuchen, wenn die dortige Musikkapelle ihr Gartenfest durchführt. Auch eine grosse Zahl von Schlachtenbummlern freut sich jedes Jahr auf diesen gemütlichen Nachmittag, wenn dies nicht reichte, wurde derAbend noch dazugenommen. Unsere Passivmitglieder nehmen regen Anteil am Geschehen der Stadtmusik und bringen oft gute Anregungen und Vorschläge oder auch mal eine Rüge vor den Verein. Der Vorstand beschliesst, ein Passivmitglied in den Vorstand zu wählen, welches die Interessen der Passivmitglieder im Vorstand vertritt. An der Generalversammlung 1959 wird Eugen Häuber einstimmig mit diesem Amt betraut. - Nach 4jährigem Unterbruch sind wir wieder in der gemütlichen Lage, bei Herrn Ritz im Hotel Löwen einen glücklichen Stammtisch einweihen zu können. Als Zeichen seiner Freude schenkt uns der Wirt einen neuen Fahnenkasten. - Es wird allgemein immer schwieriger, Jungbläser zu rekrutieren, davor bleibt auch die Stadtmusik nicht verschont. 1960 wird eine historische Tradition umgestossen. Blasmusik soll in Steckborn fortan nicht mehr nur Männersache sein. Beide Geschlechter sollen inskünftig einträglich zusammen Trompete, Klarinette oder sonst ein Instrument spielen in der Stadtmusik. Was heute vor fast dreissig Jahren beinahe eine mutige Tat war. ist heute selbstverständlich und gut. - Es ist bereits Tradition geworden, alle zwei Jahre eine Musikreise zu unternehmen. Dieses Jahr geht es Ende August für zwei Tage nach Grindelwald. Mit monatlichen Beiträgen, resp. Kauf von Reisemarken finanzieren die Musikanten ihre Vereinsreisen selbst, wenn's ganz gut geht, gibt es noch einen kleinen Zustupf aus der Vereinskasse. Die Teuerungswelle der letzten Jahre hat wie andernorts auch vor der Stadtmusik nicht Halt gemacht und die finanzielle Seite angespannt. Die Kosten für die Dirigentenbesoldung. für Noten, Instrumente. Uniformen. Jungbläserausbildung. sind enorm gestiegen. Unser Kassenbestand ist jedes Jahr kleiner geworden. In dieser Situation lässt uns die Behörde nicht im Stich und erhöht den jährlichen Zustupf an ihre Stadtmusik. Diese wiederum revanchiert sich, indem sie versucht, musikalisch möglichst viel zu bieten. Platzkonzerte mit der Knabenmusik und der Stadtmusik Kreuzlingen wurden organisiert. Ein Leckerbissen, auch für das Auge, bereitete das Konzert mit dem Spielmannszug der freiwilligen Feuerwehr Konstanz. Eine besonders festliche Angelegenheit war die Einweihung

des neuen Gemeindehauses im Mai 1961 und die 650-Jahr-Feier von Steckborn im August 1963. - Unser Dirigent. Hermann Haag, ist der Ansicht, dass Blasmusik besser und mehr verbreitet werden sollte und wirft die Frage auf. ob mit den umliegenden Orten Volksmusikkurse organisiert werden könnten. Interesse dafür ist allgemein vorhanden, im Herbst 1962 gründen Steckborn. Berlingen, Eschenz und Hörhausen die Bezirksmusikschule Steckborn. In den ersten Jahren verzeichnet sie respektable Erfolge, verliert aber nach einigen Jahren an Bedeutung weil diese breitgefächerten Kurse meist nur am Samstagnachmittag durchgeführt werden können, wenn alle Schüler schulfrei haben. Den Samstagnachmittag dafür zu opfern, passte vielen Schülern gar nicht, besonders bei schönem Wetter. – Ein nächster Grossanlass kündigt sich an. 1964 wird die Stadtmusik 75 Jahre jung. Das muss gefeiert werden, ein fröhliches Fest soll steigen. Präsident des Organisationskomitees ist Bruno Vaninetti. Festpräsident ist Willi Labhart, Gemeindeammann. Weitere Chargen übernehmen Ernst Traber. Arthur Spettel, Paul Widmer, Josef Stäheli und Kurt Fauser. Am Samstagabend bestritten die Stadtmusik Frauenfeld und Kreuzlingen ein tolles Galakonzcrt in der bis zum letzten Platz gefüllten Festhalle. Am Sonntag durften wir bei herrlichem Wetter die Musikgesellschaften von Tägerwilen, Ermatingen, Berlingen, Hörhausen, Eschenz, Stein am Rhein, Schlattingen und Diessenhofen als Gratulanten empfangen. Zusammen mit viel Publikum war's ein wunderschönes Geburtstagsfest. Vom Gesamtvorschlag von 10200 Franken konnten wir elf neue Instrumente kaufen. - Einen weiteren Höhepunkt gab es im gleichen Jahr in Berlingen. Die Einladung der Musikgesellschaft. an der Fahnenweihe als Patensektion teilzunehmen, nahmen wir freudig und einstimmig an. Wer das Symbol der Fahne kennt, weiss wie stolz ein Verein ist. ein neues Banner entrollen zu dürfen. Geht doch die Fahne stets voraus in Freud und Leid, Stolz und Demut. Den Abschluss der diesjährigen Festlichkeiten bildete die Uniformenweihe in Hemmenhofen und ein grosses Doppelkonzert mit der Stadtmusik Kreuzlingen auf dem Schulhausplatz. Der Alltag nahm uns wieder in Empfang - als erstes galt es im Frühling1965 die Kantonale Veteranentagung zu organisieren. Auch das Jahr 1965 brachte viel Arbeit, denn am 22. Mai galt es. möglichst gut abzuschneiden, am Kantonalen Musikfest in Amriswil. Erfolg oder Misserfolg liegen hier oft hauchdünn nebeneinander. Einige kleine, meist nervlich bedingte Patzer können über den Erfolg entscheiden. Wir haben Glück, wir erntenzwar nicht die beste, aber eine sehr gute Kritik. - Der Einladung, an der Schiffstaufe der «Thurgau» teilzunehmen, wird mit sichtlichem Stolz zugesagt. Fröhlich und vergnügt fahren die geladenen Gäste auf dem See Richtung Schaffhausen. Zur Durchfahrt unter der Brücke, in Stein am Rhein, muss das Sonnendach des Oberdecks abgesenkt werden. Dies geschieht mit einem Knopfdruck. Leider sass unser lieber Kamerad Hans Schäfli genau am falschen Platz, das herunterkommende Gestänge des Sonnendaches stutzte den Becher seines schönen Basses zu einem Handorgelähnlichen Gebilde zusammen. Der anfängliche, riesige Schreck milderte sich jedoch bald, nachdem der Kapitän verkündete, so etwas bringe dem Schiff nur Glück und die Versicherung werde voll für den Schaden aufkommen. - Die zweitägige Vereinsreise 1965 führte nach Murten und war wiederum ein Feuerwerk der guten Laune. Viele der erlebten lustigen Episoden zeigte uns nachträglich Othmar Fischer in seinem über die Musikreise gestalteten Film. - Hermann Haag, unser Dirigent und Ehrenmitglied, musste uns im Frühling 1966 wegen beruflicher Überlastung verlassen. Wir hatten Glück, auf Empfehlung von Hermann Haag wählen wir einstimmig Herrn Martin Linke, aus Konstanz zum neuen musikalischen Leiter. Er ist ein Profi und verlangt an den Proben äusserste Aufmerksamkeit und Konzentration. Von seinem immensen musikalischen Wissen können wir sehr viel lernen. - Unsere Unterhaltungsabende in der Hubturnhalle sind zwar meist gut besucht, dagegen wird eine gemütliche Ambiance oft vermisst. Wir beschliessen, etwas Neues zu wagen und mieten für die Durchführung des nächsten Winterkonzertes das Kino «Scala». Gleichzeitig organisiert unser Unterhaltungskünstler Toni Pauletto, als Unterhaltungsteil einen Quiz-Abend. Toni verstand es jahrelang, mit Humor, Witz. Spannung und Überraschungen, die tollsten Unterhaltungsabende durchzuführen. Meist wurde ein bekannter Ehrengast eingeladen, einmal war es der Radrennfahrer Ferdy Kübler. ein anderes Mal der Schauspieler Zarli Carigiet. Ein weiterer Ehrengast, die TV-Ansagerin Dorothea Furrer. erklärte spontan, noch nie einen so unbeschwerten und gemütlichen Abend erlebt zu haben. Im Hotel Frohsinn konnte sie sich anschliessend kaum der vielen Autogrammjäger erwehren. - Wer von der mittleren oder der älteren Garde kannte ihn nicht, unseren Emil Fischer. -Ein Leben für die Musik», so kann man ihn am besten beschreiben. Bläser. Dirigent. Aktuar. Archivar. Materialverwalter. Notenschreiber. Freund und Kamerad. das waren Merkmale seines Lebens und sind noch heute Beispiel. 1967 wird Emil Fischer am traditionellen Winterkonzert besonders geehrt für 50 Jahre Mitgliedschaft bei der Stadtmusik. - Unsere 17 Jahre alten Uniformen sind verblasst und abgetragen. Die Generalversammlung beschliesst 1968, eine Neu-Uniformierung durchzuführen. Dank der finanziellen Unterstützung breiter Bevölkerungskreise und des Gewerbes, können wir noch im gleichen Jahr bei der Firma Bruttel in Sempach neue Uniformen bestellen. - 1969 wird Hans Seiler als neuer Präsident der Stadtmusik gewählt. Sein Vorgänger, Bruno Vaninetti. wird zum Ehrenpräsidenten erkoren. Für seine grossen Verdienste bei den bunten Abenden wird Toni Pauletto zum Ehrenmitglied ernannt. Ebenfalls zum Ehrenmitglied wird Ernst Hunn gewählt: seit vielen Jahren ist er ein grosser Freund und Gönner der Stadtmusik. 1970 wir Jakob Holenweger zum neuen Pedell der Stadtmusik gewählt. Ein guter Pedell ist der gute Geist hinter den Kulissen. Er hält Ordnung im Probenraum, ist unter anderem besorgt, dass bei einem Konzert alle Notenständer bereit sind und wenn nötig, die Beleuchtung funktioniert. - Wegen Umbau müssen wir unser Stammlokal im «Löwen» leider aufgeben. Paul Deucher vom «Schwert», offeriert uns, den Fahnenkasten im Restaurant zu montieren und stellt uns auch einen Stammtisch zur Verfügung, was wir dankbar und freudig annehmen. - Mit unserem tüchtigen Dirigenten, Martin Linke stellen wir uns am 24. Mai 1970 am Kantonalmusikfest in Frauenfeld der strengen Jury und können uns wieder ausgezeichnet klassieren. - Alle zwei Jahre, bevor die grossen Ferien beginnen, führt die Stadtmusik, zusammen mit dem Turnverein. ein Gartenfest durch. Mit der Organisation solcher Feste erhoffen sich jeweils beide Vereine, schönes und warmes Sommerwetter. damit ein möglichst gutes finanzielles Ergebnis resultiert. das den Vereinskassen zugute kommt. - Der Kameradschaft ist alljährlich der Auffahrtstag gewidmet. Die Musikanten treffen sich mit Familie. Freunden und Bekannten in der freien Natur zum Picknick. - 1971 beschloss die Stadtmusik, den nächsten Kreismusiktag zu übernehmen. Da die Zeit drängte mussten die Vorbereitungsarbeiten mit Hochdruck vorangetrieben werden. Nasskaltes Wette, und ein böser Sturm machten den Aufbau der Festhütte auf dem Schulhausplatz fast unmöglich. Junge, kräftige Italiener und Spanier von der Frühschicht in der Kunstseide kamen uns zu Hilfe und retteten den Aufbau der Festhütte. Auch Alois Schildknecht konnte ein Lied davon singen, vom Zweikampf seiner Kaffeestube und dem Sturmwind. Ansonsten rollte Fest ohne Komplikationen über die Bühne. - Mit unserer Abendunterhaltung hatten wir dagegen Pech, denn das Kino „Scala“ Schloss seineTore für immer. In Zukunft mussten wir unseren Abend wieder in die Turnhalle verlegen. An der Generalversammlung vom 30. März 1973 wurden Arnold Donatsch, Notar, und die Baumeister Adolf Traber und Paul Widmer, zu Ehrenmitgliedern ernannt, speziell für ihre Verdienste anlässlich des Kreismusiktages vom vergangenen Jahr. Dank dem guten finanziellen Ergebnis gab es für die Aktiven einen Zustupf aus der Vereinskasse an die dreitägige Vereinsreise ins Südtirol. - Zum Kantonalmusikfest von 1974 in Arbon wollten die Musikanten anfänglich nicht recht ja sagen, doch die Note «vorzüglich» tröstete alle für die immense Probenarbeit, die dafür aufgewendet worden war. - Wichtig für die Vereine sind auch die Fortbildungskurse, welche der Kantonalmusikverband organisiert. Von der Stadtmusik nutzen alljährlich mehrere junge Bläserinnen und Blaser diese Art der Fortbildung. - 1973 werden Eugen Häuber und Hans Seiler zu Ehrenmitgliedern ernannt. Im gleichen Jahr übernimmt Hermann Kuhn jun. das Präsidium der Stadtmusik und Herr René Messmer von Berg wird als neuer Dirigent gewählt. - Als Novum führte die Stadtmusik 1976 die Hafenkonzerte am Sonntagmorgen ein. Mit dabei waren im ersten Jahr die Musikvereine von Berlingen. Hörhausen und Hemmenhofen sowie der Männerchor Steckborn. Diese Konzerte erfreuen sich auch heute noch sehr grosser Beliebtheit beim Publikum. - 1977 übernimmt Koni Frech die Leitung der Tambourengruppe und ist seither eifrig bemüht, stets für eine «schlagkräftige»• Gruppe zu sorgen. - Aus der Jahresplanung des Präsidenten können die Aktiven jeweils sehen, dass in einem Kalenderjahr 80 bis 100 Zusammenkünfte vorgesehen sind. Dazu kommt natürlich noch Unvorhergesehenes. von Offiziellem bis zu den im Morgengrauen endenden Suppennächten bei Markus. Das Jahr 1977 darf mit Fug und Recht als spezielles Glücksjahr für die Stadtmusik eingestuft werden: für 13000 Franken konnte die Postbaracke gekauft werden. Man musste bei der Kantonalbank einen Kredit aufnehmen und pro Jahr (ohne Amortisation) mit jährlichen festen Kosten von zirka 3000 Franken rechnen. Ein weitsichtiger Vorstand hatte die Sache gründlich abgeklärt und beantragte dem Verein, dem Kauf zuzustimmen. An der ausserordentlichen Versammlung vom 23. April 1977 wurde einstimmig beschlossen, die Postbaracke zu kaufen. Der alte Traum, ein eigenes, unbeschränkt benutzbares Probelokal zu besitzen, ging damit in Erfüllung. Die ganz grossen Glücksfälle im Leben sind selten, doch diese Stunde schlug 1977 eben für die Stadtmusik. Die Geschwister Hausmann von Steckborn schenkten der Stadtmusik grosszügig die Kaufsumme für die Postbaracke. Dem anfänglichen grossen Staunen folgte alsbald eine riesige Freude, waren doch mit dieser Schenkung die finanziellen Belastungen wie weggepustet. In einer kleinen Feierstunde wurden die Geschwister Hausmann als erste weibliche Ehrenmitglieder erkoren. - Anscheinend soll es auch in neuerer Zeit vorgekommen sein, dass während der Musikprobe zuviel geschwatzt wird. So musste der Vize-Präsident eindrücklich an die Mitglieder appellieren. während den Musikproben bessere Disziplin zu halten: an den nächsten Musikproben durfte mit eiserner Disziplin gerechnet werden, denn die grössten Schwätzer spendeten am meisten Beifall. - Junge Musikanten entwachsen schnell ihrer angepassten Uniform, deshalb wurde 1978 beschlossen, eine Teil-Uniformierung durchzuführen. Wieder einmal zeigte sich die Wertschätzung, welche die Stadtmusik bei der Bevölkerung geniesst. denn in kurzer Zeit betrug das Sammelergebnis 30000 Franken. - Auf die Initiative der Stadtmusik wurde 1979 eine alte Tradition, der Räbeliechtli-Umzug, neu ins Leben gerufen. Schon beim ersten Mal machten über 200 Kinder mit ihren geschnitzten Räbeliechtli mit. Heute ist dieser schöne Brauch fester Bestandteil im Jahresprogramm. - Das erste Winterkonzert in der neuen Feldbachhalle brachte einen überwältigenden Publikumserfolg. Dank der Festwirtschaft, welche in eigener Regie geführt werden konnte, durfte auch ein finanzieller Erfolg verbucht werden. - Nach acht Jahren erfolgreicher Tätigkeit verliess uns leider unser Dirigent René Messmer. Als Nachfolger wählte der Verein Eugen Duppenthaler. von Kreuzlingen. Unter seiner Leitung erringt die Stadtmusik 1984 am Kantonalmusikfest in Bischofszell in der zweiten Stärkeklasse den dritten Rang. Dies war der schöne Lohn für drei bis vier Proben pro Woche über längere Zeit. Kantonale Musikfeste verlangen viel - und harte Arbeit, sie sind aber ebenso wichtige und markante Marksteine eines Vereins. Das gemeinsame Ziel und der gemeinsam erarbeitete Erfolg bilden auch die Grundlagen guter Kameradschaft. - Blättern wir die letzten Seiten der "hundertjährigen Vereinsgeschichte“ durch. Seitdem das traditionelle Winterkonzert in der Feldbachhalle durchgeführt werden kann, hat sich dieser Abend bei der Steckborner Bevölkerung einen festen Platz gesichert und erfreut sich ständig grösserer Beliebtheit. Der seit zwei Jahren amtierende Dirigent, Herr Siegfried Worch, aus Rielasingen und seine Vorgänger, haben es in Zusammenarbeit mit der Musikkommission immer versanden, Konzertprogramme aufzubauen, wo für jeden Geschmack ein musikalischer Leckerbissen dabei war. - An der Delegiertenversammlung des Thurg. Kantonalmusikverbandes im Dezember 1986 wird die Stadtmusik Steckborn mit der Durchführung des Kantonalmusikfestes 1989 betraut. Der Vorstand und die Mitglieder hatten sich damit verpflichtet, an dieses Fest einen grossen Beitrag zu leisten und 1989 dafür eine Woche Ferien zu Opfern. Das OK mit Hermann Kuhn an der Spitze ist seit zwei Jahren hart an der Arbeit, dass dieses Fest reibungslos abläuft und nicht nur für die Musikanten, sondern für Steckborn und Umgebung zum unvergesslichen Ereignis wird. Ebenfalls seit zwei Jahren ist Erwin Utz neuer Präsiden, der Stadtmusik. Unter seiner Leitung organisiert die Stadtmusik die Feierlichkeiten zum bevorstehenden hundertsten Geburtstag. Es ist mir vergönnt, dazu der Stadtmusik ganz herzlich zu gratulieren, ihr im Namen der Bevölkerung für alles zu danken und ihr für die Zukunft alles Gute zu wünschen. Im Wechselspiel des Lebens werden sich weiterhin helle und dunkle Zeiten ablösen, doch: «Mach es wie die Sonnenuhr und zähl die heitren Stunden nur».


Fahnenweihe 1995

Fahnenträger : Othmar Fischer